Schnuller - Fluch oder Segen?


Schnuller sind ein beliebtes Hilfsmittel, um Babys zu beruhigen, doch viele Eltern fragen sich, ob sie wirklich notwendig sind oder sogar schädlich sein können. In diesem Artikel schauen wir uns die Forschung und die unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema an, um dir eine fundierte Entscheidungshilfe zu bieten.

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Warum benutzen wir Schnuller?

Schnuller werden oft verwendet, um Babys zu beruhigen, besonders in den ersten Lebensmonaten. Das Saugen ist ein natürlicher Reflex, der Babys nicht nur ernährt, sondern auch hilft, sich zu entspannen. Der Schnuller stellt für viele Babys eine Möglichkeit dar, diesen Reflex zu befriedigen, ohne dass sie die Brust oder Flasche suchen müssen. Dies kann aber gerade zu Problemen führen (darauf gehe ich später ein).

Fun Fact:

Beim Saugen, sei es an der Brust, am Schnuller oder an einem Finger, stimulieren Babys den Nervus Vagus, einen wichtigen Teil des parasympathischen Nervensystems.
Warum ist das wichtig?
Beruhigung: Der Nervus Vagus trägt zur Entspannung bei und senkt die Herzfrequenz.
Regulation des Nervensystems: Babys nutzen das Saugen als eine Art Selbstregulation, um sich zu beruhigen und Stress abzubauen.
Verdauungsförderung: Der Nervus Vagus beeinflusst die Verdauung und kann Koliken lindern.
Deshalb kann Saugen/Nuckeln besonders hilfreich sein, wenn Babys unruhig oder überreizt sind.
Dies ist häufig nicht möglich bei einem verkürzten Zungenband! Dann kommt die Zunge nicht weit genug an den Gaumen um den Punkt zu stimulieren.

Vorteile des Schnullers

Es gibt einige positive Aspekte, die von Experten hervorgehoben werden:

1. Beruhigung und Schmerzlinderung:
Studien zeigen, dass das Saugen am Schnuller Babys helfen kann, sich zu beruhigen und Stress abzubauen. In einer Studie wurde festgestellt, dass Babys, die einen Schnuller benutzen, beim Einschlafen schneller ruhiger werden. (Source: Journal of Pediatrics, 2016).

2. Reduzierung des Risikos von Plötzlichem Kindstod (SIDS):
Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Nuckeln am Schnuller das Risiko von SIDS verringern kann. Der Mechanismus dahinter ist noch nicht vollständig verstanden, aber es wird vermutet, dass der Schnuller hilft, die Atemwege offen zu halten, was während des Schlafens von Vorteil sein kann. (Source: Pediatrics, 2005).

ACHTUNG: Beide Aspekte betreffen insbesondere flaschenernährte Kinder. 
Nach Bedarf gestillte Babys saugen ausreichend an der Brust.

Nachteile und Risiken des Schnullers

Trotz der Vorteile (die insbesondere flaschenernährte Kinder betreffen) gibt es auch einige Bedenken, die von Experten angesprochen werden:

1. Zahn- und Kieferentwicklung:
Ausdauernder Gebrauch des Schnullers kann zu Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers führen. Eine Studie (im Journal of Clinical Pediatric Dentistry (2014)) zeigte, dass Kinder, die regelmäßig Schnuller benutzen, häufiger Kieferfehlstellungen entwickeln.

2. Abhängigkeit und Schwierigkeiten beim Abgewöhnen:
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass Kinder eine starke Bindung an den Schnuller entwickeln, was später Probleme beim Abgewöhnen bereiten kann. Kinder, die bis zum dritten Lebensjahr regelmäßig einen Schnuller benutzen, können Schwierigkeiten haben, diese Gewohnheit abzulegen.

3. Erhöhtes Risiko für Mittelohrentzündungen:
Ein längerer Gebrauch des Schnullers wird in einigen Studien mit einem erhöhten Risiko für Mittelohrentzündungen in Verbindung gebracht. Eine Untersuchung (aus dem Archives of Pediatric & Adolescent Medicine (2009)) zeigte, dass Schnuller das Risiko für Otitis media (Mittelohrentzündung) um 33% erhöhen können.

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Studien zum Thema Schnullergebrauch

1. Schnuller und SIDS:
Die Verbindung zwischen Schnullergebrauch und einem reduzierten Risiko für SIDS ist gut dokumentiert. Eine Meta-Analyse aus dem British Medical Journal (2006) ergab, dass Babys, die regelmäßig einen Schnuller benutzten, ein um 90% reduziertes Risiko für SIDS hatten.

2. Schnuller und Stillen:
Es gibt gemischte Meinungen, ob der Schnuller das Stillen beeinträchtigen kann. Eine Studie aus dem Journal of Human Lactation (2017) kam zu dem Ergebnis, dass der frühe Gebrauch von Schnullern das Stillverhalten nicht beeinträchtigt, wenn das Stillen gut etabliert ist. Andere Studien, wie eine aus dem American Journal of Public Health (2009), warnten jedoch, dass zu früher Schnullergebrauch die Stillbeziehung negativ beeinflusse.

3. Schnuller und Zahnfehlstellungen:
Längerer Schnullergebrauch kann die Entwicklung des Kiefers beeinflussen. Eine Studie aus dem European Journal of Orthodontics (2016) stellte fest, dass Kinder, die bis zum dritten Lebensjahr Schnuller verwendeten, ein höheres Risiko für Zahnfehlstellungen wie einen offenen Biss und andere Probleme mit der Kieferentwicklung hatten.

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Fazit: Ist der Schnuller notwendig oder nicht?


Ob ein Schnuller sinnvoll ist oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier einige Richtlinien, die dir helfen können, eine Entscheidung zu treffen:

Für die Beruhigung von Neugeborenen: Um die Stillbeziehung nicht zu gefährden sollte die ersten sechs Wochen kein Schnuller eingesetzt werden. Der vermeintliche Vorteil, die Säuglinge könnten ihren Saugreflex befriedigen, hat den großen Nachteil, dass Babys sich müde nuckeln oder eine Mahlzeit überspringen. Demnach ist der erste Schritt bei einem unruhigen Säugling die Brust anzubieten. In den ersten Wochen ist eine Stillhäufigkeit von mindestens 10-12x in 24h wünschenswert. Zusätzlich fehlt der Brust die Stimulation zur Milchbildung, wenn das Kind vermehrt am Sauger nuckelt, statt an der Brust.

Risikominderung bei SIDS: Das Nuckeln am Schnuller hat sich als hilfreich erwiesen, um das Risiko von SIDS bei flaschenernährten Säuglingen zu senken, was besonders im ersten Lebensjahr von Bedeutung ist.

Zahngesundheit und Abgewöhnung: Verwende den Schnuller idealerweise wie Medizin, um mögliche Zahnentwicklungsstörungen zu vermeiden. Für kurze Momente zur Regulation oder beispielsweise beim Autofahren eigenet sich der Sauger gut. Absolut zu vermeiden ist ein Dauernuckeln beispielsweise während des Schlafens.

Individuelle Bedürfnisse: Jeder Säugling ist anders. Achte darauf, wie dein Baby auf den Schnuller reagiert und ob er einen positiven Effekt auf die Beruhigung hat.

Der Schnuller ist also nicht grundsätzlich „notwendig“, kann aber in den ersten Lebensmonaten ein praktisches Hilfsmittel zur Beruhigung und Risikoreduzierung sein. Es ist wichtig, das richtige Gleichgewicht zu finden und auf die Bedürfnisse deines Babys einzugehen.